Unsere Arbeit hat sich in den letzten 20 Jahren verändert. Nicht nur, was wir tun und wie wir es tun, sondern auch in welchem Rahmen wir es tun. Klingelte Mitte der 1990er-Jahre noch pausenlos das Telefon und wir harrten ungeduldig dem Rückruf, beantworten wir zwischen heute Nachrichten und Abendspielfilm noch schnell die E-Mails. „Arbeiten, wann und wie man möchte“, so das Grundkonzept der Flexibilisierung. Doch im Umkehrschluss heißt das auch Arbeiten ohne Dienstschluss und wenige längere Entspannungsphasen.

Wenn es im Büro zu laut wird, ziehen wir uns in unser Eigenheim zurück und schreiben den Bericht eben am Küchentisch. Wir arbeiten eigenverantwortlich, verzichten für freie Zeiteinteilung auf Überstunden und Zeitausgleich. Die Flexibilisierung wird aber auch in Zukunft weitergehen: Job-Sharing, Job-Hopping oder Mitarbeiter-Sharing sind nur einige Stichworte dafür.

Ich möchte nun erklären, welche neue Formen der Arbeit auf uns in Zukunft zukommen werden:

Job-Sharing. Zwei oder mehr MitarbeiterInnen teilen sich einen Arbeitsplatz, damit diese ihn gemeinschaftlich ausführen. Dies bedingt die Kombination von zwei oder mehr Teilzeit-Jobs zu einem Vollzeit-Job.

Employee-Sharing oder Mitarbeiter-Sharing. Eine Mitarbeiterin oder ein Mitarbeiter wird von einer Gruppe von Arbeitgebern gemeinschaftlich eingestellt um den Personalbedarf von verschiedenen Unternehmen zu decken. Ziel ist es, eine dauerhafte Vollzeit-Anstellung zu begründen. In Österreich nennt sich das Mitarbeiter-Sharing Arbeitgeberzusammenschluss (AGZ).

Interim management oder Management auf Zeit. Hoch qualifizierte Arbeitskräfte werden zeitlich begrenzt für eine bestimmte Aufgabe oder ein bestimmtes Projekt eingestellt, um externe Kapazitäten und Fähigkeiten in das Unternehmen zu bringen.

ICT-based mobile work oder mobiles Arbeiten. Dies ist einer Weiterentwicklung der bereits etablierten Teleabeit. Aufgrund der neuen Kommunikationstechnologien können die MitarbeiterInnen von jedem Ort und zu jeder Zeit arbeiten.

Casual Work oder Arbeiten per Rufbereitschaft. Ein Arbeitgeber ist nicht verpflichtet, der/dem ArbeitnehmerIn Arbeit bereitzustellen. Die ArbeitnehmerInnen werden nach Bedarf zugezogen. Die MitarbeiterInnen erhalten zwar einen permanenten Arbeitsvertrag, wer aber nicht arbeitet, bekommt trotz des Vertrags kein Geld und ist auch nicht sozialversichert. Diese Form des Arbeitens ist bereits in Irland, Großbritannien und Italien im Vormarsch.

Co-Working. Alternative Kooperationsmethoden von Selbstständigen und kleinen Unternehmen, wo Netzwerke und Infrastruktur geteilt und gemeinsam genutzt werden um Kapazitätseinschränkungen und berufliche Isolation zu überwinden. Beschränkt vor allem auf den Kreativbereich.

In Mitteleuropa noch recht unbekannte Formen der Arbeitsflexibilisierung sind.

Voucher-based work oder Dienstleistung-Scheck. Als Gegenleistung für geleistete Arbeit werden Gutscheine für Dienstleistungen ausgegeben und decken sowohl Bezahlung als auch Sozialversicherungsbeiträge ab. In Österreich gilt dies für geringfügige, befristete Arbeitsverhältnisse in privaten Haushalten.

Portfolio work. Selbständige arbeiten für eine große Anzahl an KundInnen und wickeln für jeden von ihnen nur kleine Aufträge ab.

Crowd employment. Auf einer Online-Plattform (wie freelancer.com oder elance.com) finden AuftraggeberInnen und AnbieterInnen zueinander. Sehr oft wird ein Projekt zwischen vielen „virtuellen“ AuftragnehmerInnen aufgeteilt.

Nicht alle dieser neuen Arbeitsmodelle bringen neben den offensichtlichen Vorteilen für Unternehmen auch vorteilhafte Arbeitsbedingungen für MitarbeiterInnen: Nur Mitarbeiter-Sharing, Job-Sharing und Interim Management vereinen Flexibilisierung mit einem guten Maß an Arbeitsplatzsicherheit. Mobiles Arbeiten bietet auf der einen Seite Flexibilität, Autonomie und Eigenverantwortung, beinhaltet auf der anderen Seite aber auch die Gefahr von extensiven Arbeitszeiten und Stressbelastung durch das Verschwimmen von Berufs- und Privatleben.

Für Selbständige und Kleinunternehmer bereichern die Arbeitsformen Co-Working, Portfolio work und Crowd employment den Arbeitsalltag durch Abwechslung.

Dienstleistungs-Schecks bedingen Arbeitsplatzunsicherheit, soziale und berufliche Isolation und eingeschränkte Zugänge zu Weiterbildung und Aufstiegschancen. Casual work ist durch geringes Einkommen, Arbeitsplatzunsicherheit und schlechte soziale Absicherung charakterisiert.

Studie:

Die European Foundation for the Improvement of Living and Working Conditions/Eurofound hat kürzlich eine Studie über „Neue Formen von Beschäftigung“ veröffentlicht. Verglichen wurden die EU-Mitgliedsstaaten und Norwegen. Im Fokus standen dabei Arbeitsmodelle, die seit dem Jahr 2000 auftauchen oder sich seither verstärken.

 

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