Mit Selbstbeherrschung zum Erfolg

Diejenigen von uns, die gerne mal fernsehen, kennen sie. Die Werbung, in denen Kindern ein Überraschungsei vorgesetzt wird und bei etwas Geduld ein zweites. Und, so erzählt es uns die Werbung, jedes Kind findet die Überraschung im Ei so unwiderstehlich, dass keines die Geduld und Selbstbeherrschung aufbringt und auf das zweite Ei wartet.

Dieses Experiment ist nicht neu. Zwischen Ende der sechziger und Anfang der siebziger Jahre des letzten Jahrhunderts nahmen über 500 Kinder des Kindergartens der kalifornischen Elite-Universität Stanford am Marshmallow-Test teil. Walter Mischel, Erfinder des Marshmallow-Tests: „Nur wer auf das zweite Marshmallow warten kann, hat eine wirkliche Wahl und kann eine freie Entscheidung treffen.„*

10 Jahre nach den Experimenten wurden mit den teilnehmenden Kindern weitere Studien durchgeführt. Das Ergebnis lautete: Nicht allein unsere Intelligenz oder die Herkunft entscheidet über Erfolg und Misserfolg im Leben, genauso wichtig sind Selbstbeherrschung und Geduld. Kinder die so lange warten konnten, dass sie auch das zweite Marshmallow bekamen, konnten besser mit Frustration und Stress umgehen und erzielten höhere schulische Leistungen als die ungeduldigen.

In jungen Jahren spielen gehaltene Versprechen des Umfelds, längere Stillzeit und ein anwesender Vater eine große Rolle für das Erlernen von Geduld. Das haben ForscherInnen in den letzten Jahren herausgefunden. Aber Geduld kann man auch in späteren Jahren noch antrainiert werden. Und das geht einerseits durch Disziplin und andererseits durch Ablenkung.

Wenn man diese Studienergebnisse also richtig deutet, bedeutet das, dass Geduld und Selbstbeherrschung einem ein großes Stück weit in Richtung Erfolg bringt. Hier bleiben die Fragen: Was ist Erfolg? Und: Führt Erfolg auch zum Glück?

Wie bei allem im Leben ist ein Zuviel kontraproduktiv und schädlich. Walter Michel warnt: „Der Schlüssel zum Erfolg liegt darin, seine Bedürfnisse zu kontrollieren. Ein Zuviel bedeutet, sein Leben nicht zu leben.„*

*Quelle: „Beherrsch dich!“, Die Zeit, Ausgabe 46, 6. November 2014, S. 23 f.