Blockade und nichts geht mehr

Gestern war wieder einmal so ein Tag. Voll motiviert bin ich aufgestanden, aber schon am Frühstückstisch hatte ich dieses undefinierbare Gefühl. Irgendwie lustlos, irgendwie müde – obwohl gerade aufgestanden. Dann am Schreibtisch, die To-Do-Liste vor mir und das E-Mail-Programm schon offen: „Nein, doch nicht! Ich kann jetzt nicht. Später.“ Leider ging es mir bei jedem der Punkte so. Und so wanderte ich im Büro herum und suchte verzweifelt nach einer Aufgabe, die mich mitreißen würde. Aber mit jeder Runde sank der Mut und ich saß letztendlich vor dem Schirm und stierte auf die Seite eines sozialen Netzwerks.

Was mich so wie gestern dann und wann so hinterrücks und ohne Vorwarnungen überfällt, nennt sich Blockade. Bekannt geworden ist dieses Phänomen durch Filme, in denen einst erfolgreiche Schriftsteller (ja, meistens nur Männer!) Tag für Tag vor dem in der Schreibmaschine eingespannten weißen Blatt sitzen während ein erboster Verleger schon zum tausenden Mal anruft.

So wie bei mir gestern kann man meistens nicht genau sagen, was der Auslöser dieses Feststeckens ist. Möglicherweise ein kontraproduktiver Gedanke, der schon längst wieder weg ist, wenn man beginnt, sich unproduktiv zu fühlen. Oder auch das schlechte Wetter draußen.

Die meisten von uns können es sich nicht aussuchen, ob sie nun arbeiten wollen oder nicht. Es geht nicht um’s Wollen, es geht um’s Müssen. Kein Chef der Welt wird tolerieren, wenn man ihm sagt, man wolle wieder heimgehen, weil heute nichts ginge.

Also, was hilft nun gegen eine Blockade, wenn man nicht die Option hat, den Tag Tag sein zu lassen? Bei mir hat gestern die Beschäftigung mit anderen Dingen geholfen. Ich habe einige nicht so wichtige, aber anstehende Telefonate geführt. Die Stimmen am anderen Ende wussten nichts von meiner Misere und haben mich wieder ins Tun zurückgeführt.

Wer mal schnell für eine halbe Stunde verschwinden kann, kann dem Körper ein bisschen Bewegung gönnen. Durch die Bewegung kommt die Energie wieder zum Fließen. Körper und Geist werden neu aufgeladen, die Blockade löst sich.

Wer ein eigenes Büro hat, kann sich durch seine Lieblingsmusik wieder motivieren lassen. Gerüchteweise hat klassische Musik schon so manchen KünstlerInnen geholfen, was aber natürlich kein Garant ist. Von dieser Methode ist aber abzuraten bei Großraumbüros und differierendem Musikgeschmack.

Auch ein kurzer kollegialer Austausch kann helfen eine Blockade zu lösen. Wenn man nicht weiter kommt, hilft manchmal eine zweite Meinung.

Für jene unter uns mit freier Zeiteinteilung, kann auch ein kleines Power-Schläfchen empfohlen werden. Eine kleine Pause für das Gehirn hilft oft Wunder bei Konzentrations- und Leistungsstörungen.

Für mich persönlich wird das „Sitzen“, das Meditieren, immer wieder zum Retter in solchen Situationen. Nur 10 Minuten bewusstes Atmen hilft die Aufmerksamkeit wieder zu Fokussieren und Energien abzurufen. Das kann aber manchmal auch in einem Power-Schläfchen (siehe oben) enden.

Warnen muss ich an diesem Ort ausdrücklich vor der Beschäftigung mit gänzlich anderen Dingen wie Zeitung lesen, facebooken oder Geschirr abwaschen. Die Gefahr ins Prokrastinieren (Aufschieberitis) zu driften ist enorm groß!