So viel Urlaub nehmen, wie man braucht

Ist Ihnen das auch schon einmal passiert? Sie sitzen im Büro, Sie haben eigentlich nichts zu tun und müssen trotzdem bleiben. Gibt es nicht, sagen Sie. Doch, gibt es! Auch in Zeiten von permanentem Zeitdruck und Überforderung. Wäre es da nicht gescheiter, nach Hause zu gehen und zu tun, was immer einem Freude bereitet?

Grundsätzlich wäre das an vielen Arbeitsplätzen möglich. Die Arbeiternehmerinnen und Arbeitnehmer arbeiten sowieso schon eigenverantwortlich, warum dürfen sie dann nicht entscheiden, wann sie nach Hause gehen? Oder gar, wie viel Urlaub sie nehmen?

Der britische Schallplatten-, Luftlinien-, Banken- und was weiß noch alles-Milliardär Sir Richard Branson hat mit dieser Idee Ende letzter Woche für Furore gesorgt. Er erlaubt seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ab sofort soviel Urlaub zu nehmen, wie sie brauchen und  wann sie ihn brauchen. Das Personal darf  nun ohne vorherige Ankündigung von der Arbeit fern bleiben, sofern sie mit ihren Aufgaben im Zeitplan sind und die Arbeit darunter nicht leidet.

It is left to the employee alone to decide if and when he or she feels like taking a few hours, a day, a week or a month off, the assumption being that they are only going to do it when they feel a hundred per cent comfortable that they and their team are up to date on every project and that their absence will not in any way damage the business – or, for that matter, their careers!”, so Branson. Er glaubt, mit der innovativen Lockerung der Urlaubsregelung die Moral, die Kreativität und die Produktivität zu steigern.

Doch, zurück nach Mitteleuropa: In Österreich bestimmen strikte Regelungen, wie viel man mindestens arbeiten muss. Im Dienstvertrag oder am Dienstzettel ist das Mindestmaß festgehalten und darf über längere Zeit nicht unterschritten werden. Was passiert, wenn dies doch eintritt, wissen alle, denen es schon einmal passiert ist: Die Personalverrechnung reagiert panisch und mit ihnen auch alle direkten und indirekten Vorgesetzten. Im Gegensatz dazu ist aber an den meisten Arbeitsplätzen erlaubt, so viele Stunden zu arbeiten, wie man „möchte“. Ob man jedoch diese Stunden jemals in Zeit oder Geld refundiert bekommt ist fraglich. Das ist aber eine andere Geschichte…

Also, lieber untätig herumsitzen, Löcher in die Luft starren, facebooken oder die Kolleginnen und Kollegen vom Arbeiten abhalten. Man muss die Zeit ja rumbringen, oder?