Freude aus dem Einkaufswagen – geht das?

Gestern war ich in der Sauna: Die Holzbänke sind bis auf den letzten Platz besetzt. Alle warten auf den Aufguss. Der Saunameister kommt rein und fragt in die Runde: Wisst ihr was? Gestern war ich in einem Einkaufszentrum. Ich hab eh nix gekauft. Aber wie die Leute da herumgerannt sind. Was die für ein Gesicht gehabt haben. Man sollt‘ meinen, dass es Freude macht, wenn man sich ein schönes G’wand kauft oder was Gutes zum Essen!

Ja, das sollte man meinen. Aber warum machen dann die Leute so ein Gesicht?

Zum einen könnte man sagen, es ist Weihnachten. Der Druck an alle zu denken und für jeden ein passendes Geschenk zu finden, das zudem nicht alle Ersparnisse aufbraucht, ist sehr hoch. Wer sind wir denn, die wir auf Geheiß der Medien ab November in den Einkaufszentren herumhetzen und säcke-weise Konsumgüter heimschleppen. Geht es nicht auch ohne oder – zumindest – mit weniger?

Zum anderen leben wir in einem derartigen Wohlstand, der in dieser Breite in unserer Geschichte noch nie da war. Wir brauchen und kaufen und konsumieren. Sind wir deshalb glücklicher als – z.B. unsere Urgroßeltern?

Die entscheidende Fragen sind: Kann man Freude wirklich kaufen?

Oder andersrum: Wird man beim Einkaufen glücklich?

Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass das gute Gefühl nach einem Einkauf nur kurz anhält. Der neue Pullover trägt zu Hause dann doch ein bisschen auf und das elektronische Teil – der letzte Schrei übrigens – ist ab morgen auch nur mehr ein normaler Gebrauchsgegenstand. Und man fragt sich: War das wirklich notwendig so viel Geld auszugeben für ein Gefühl der Freude, das so schnell wieder vorbei war?

Umbestritten hat unser individueller, materieller Wohlstand großen Einfluss auf unser Wohlbefinden. Sobald wir unsere Grundbedürfnisse gedeckt haben, ist auch ein Großteil unseres Wohlbefindens hergestellt. Die Geldsumme, die wir darüber hinaus zur Verfügung haben, wirkt sich nur mehr wenig auf die Steigerung unserer Zufriedenheit aus.

Das Gefühl der Belohnung, das durch den Einkauf erzeugt wird, nutzt sich ab. Es muss ständig wiederholt und gesteigert werden, soll noch Freude empfunden werden.

Zu den Antworten: Ja, Freude kann man kaufen, allerdings ist dieses Gefühl nur von kurzer Dauer und der Input muss immer wieder erhöht werden. Und nein, beim Einkaufen wird man nicht glücklich. Ganz im Gegenteil, ein Blick auf den Kontostand lässt so manchen Mitmenschen sehr schnell erwachen.

Gibt es Alternativen?

Besser als in Konsumgüter wäre es in Erlebnisse zu investieren. An Erlebnisse erinnern wir uns länger als an materielle Dinge. Erlebnisse tragen zum Erfahren bei und können auch zu Erkenntnissen führen, die wiederum unsere Persönlichkeit stärken.

Und zudem können wir diese Erlebnisse mit Menschen teilen und das immer und immer wieder. Durch das gemeinsame Erleben entsteht eine Verbundenheit mit der anderen Person. Dies ruft Wohlbefinden hervor.

Man könnte auch in einem übertragenen Sinn meinen: Nicht das Gekaufte macht glücklich, sondern das Erlebnis, das wir beim „Kaufen“ haben.