Warum Veränderungen so schwierig sind

Veränderungen meistern ist schwierig. Punkt. Auch wenn dutzenden Bücher der Ratgeber-Literatur uns anderes weismachen wollen. 

Von einer Minute auf die andere Minute mit dem Rauchen aufhören? In 12 Monaten von der Fettleibigkeit zum Fitness-Modell? Gibt es das? Eigentlich nicht. Nur in den wenigsten Fällen gelingen solche extreme Veränderung in kürzester Zeit.

Warum es so schwer ist, Dinge, die uns wissentlich nicht gut tun, anzugehen und zu verändern, erkläre ich Ihnen in den nächsten Absätzen. Ich gebe Ihnen aber auch Ansätze, wie Sie das vermeintlich Unmögliche dennoch schaffen können.

Unser Handlungsmuster sind tief in unserem Unterbewusstsein abgespeichert. Sie dienen dazu, unserem Organismus das Leben zu erleichtern und unserem Gehirn Arbeit abzunehmen: Je weniger unser Gehirn damit beschäftigt ist, den Ablauf von Routinen zu steuern, desto weniger Energie und Kapazität muss es aufwenden. Damit sind mehr Kapazitäten für neue, unbekannte oder entscheidungsintensive Situationen frei.

Und das ist gut so: Wir hätten uns nicht so weit als Spezies entwickeln können, wenn unser Gehirn nicht ständig versuchen würde, regelmäßige Handlungsabläufe einzubahnen und als Routinen abzuspeichern. Was wäre mit uns geschehen, wenn wir unsere gesamten Gehirnkapazitäten für Gehen, Essen und Trinken verbrauchen würden? Ich würde jetzt sicher nicht an einem Hightech-Notebook sitzen und einen Artikel zur Veröffentlichung im Internet verfassen.


Hindernis für Veränderungen = Gewohnheiten


Die gute Nachricht: Gewohnheiten sind nichts Böses.

Gewohnheiten geben uns auch Sicherheit: Der Morgenlauf gibt uns genauso ein Gefühl der Sicherheit und des Wohlbefindens wie ein Zug aus der Zigarette nach dem Mittagessen. Das Gehirn weiß, dass alles nach den gewohnten Routinen abläuft und signalisiert uns, dass alles in Ordnung ist. Nach Jahren des Laufens am Morgen und der Zigarette nach dem Essen erwarten die Rezeptoren im Gehirn, dass die Vollzugsmeldung einlangt. Tut sie es, dann ist alles bestens!

Das Dumme an der Sache ist nur, dass unser Gehirn bei guten wie bei schlechten Gewohnheiten gleichermaßen mit einem Häkchen reagiert, wenn die Routine abgelaufen ist.

Oft fragen wir uns, warum eine Person so lange in einem miserablen Job oder einer schlechten Beziehung festhängt und sich nicht befreien kann: Der Ablauf im Gehirn ist der Grund. Auch Handlungsabläufe, die uns schaden, werden mit der oftmaligen Wiederholung zu einer Routine umfunktioniert und unser Gehirn signalisiert uns trotzdem: Alles in Ordnung!

Unser Gehirn erwartet sogar das Leid und den Kummer, sofern sie zur Routine geworden sind. Erst wenn der Grund für eine Veränderung so groß geworden ist, kann eine Veränderung beginnen.

Die schlechte Nachricht: Gewohnheiten können nicht leicht verändert werden.

Die Routinen sind sehr tief in unserem Unterbewusstsein abgespeichert. An diese Stellen zu kommen ist schwer. Altes, überholtes Wissen kann sehr leicht durch neues, aktuelles Wissen ausgetauscht werden. Wenn wir aber an unsere Gewohnheiten, sieht das anders aus. Gewohnheiten werden durch eine Vielzahl an Wiederholungen gebildet und können nicht durch einige wenige Versuche verändert werden.

Dazu kommt, dass bei vollzogenen Routinen der Körper mit einem Gefühl der Sicherheit und des Wohlbefindens reagiert. Werden die Routinen verändert, entsteht zuerst Verwirrung: Es fühlt sich erst einmal gar nicht gut an. Und der Drang, sich zurück auf die Couch zu legen oder nur noch eine letzte Zigarette anzuzünden ist groß. Denn mit den alten Handlungsmustern stellt sich das gewohnte Gefühl der Sicherheit wieder ein.

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Drei Booster für Ihre Veränderung

Der stärkste Grund für eine Veränderung ist sicher eine starke Veränderungsmotivation aufzubauen. Wenn der Arzt sagt, Sie sollen mit dem Rauchen aufhören, denn die ersten gesundheitlichen Schäden sind bereits zu sehen; wenn der Job einen nachts nicht mehr zur Ruhe kommen lässt und sich eine Belastungsstörung ankündigt, dann werden die meisten von uns in die Gänge kommen.

Natürlich kann die Veränderungsmotivation auch positiv sein: Wenn ich mit dem Rauchen aufhöre, habe ich genügend Geld, um schön in Urlaub zu fahren. Dennoch sind die negativen Beweggründe meisten die stärkeren und motivierenden.

Oben habe ich Ihnen beschrieben, was in Ihrem Gehirn abläuft, wenn Sie Ihre Verhaltensmuster bedienen. Ein erster Schritt sich von diesen Mustern zu befreien, ist sich klar zu werden, welche Abwehrstrategien in Ihnen ablaufen.

Welche Gedanken sind es, die Sie abhalten Ihr gewünschtes Verhalten zu zeigen?
Was läuft in Ihnen ab, bevor sich das Muster zeigt? Was sind die Auslöser?

Fragen Sie sich weiters:
Was könnte passieren, wenn ich mich anders verhalte?
Was könnten andere über mich denken?
Was würde ich über mich selbst denken?

Versuchen Sie sich ein neues Mindset zu erarbeiten, indem Sie sich Ihr Leben ohne dem alten und mit dem neuen Verhalten ausmalen.

Neues Verhalten muss neurologisch neu gespurt werden. Das heißt, um aus einem einzelnen Verhalten eine Gewohnheit zu machen, muss das Verhalten so lange wiederholt werden bis das Gehirn es als Routine abspeichert. Dies erfordert Konzentration, Geduld mit sich selbst und Disziplin um aus alten Verhaltensmustern neue Gewohnheiten zu machen.

Deshalb ist die Chance gering, erfolgreich von heute auf morgen mit dem Rauchen aufzuhören oder Ihr Leben komplett zu ändern. Es ist ein langer Weg, auf dem es Rückschläge geben wird. Doch das Erfolgsrezept ist nicht aufzugeben, sich bei Rückfällen in alte Gewohnheiten nicht selbst zu verurteilen, sondern einfach weiterzumachen und Schritt um Schritt weiterzugehen.

Wenn Sie mit Ihren Fortschritten nicht zufrieden sind, holen Sie sich Unterstützung. Investieren Sie in ein Coaching oder holen Sie sich aus Ihrem Freundeskreis einen Buddy, der Ihren Fortschritt mit Ihnen überprüft und mit Ihnen realistische Ziele setzt.

Warum Neujahrsvorsätze nicht funktionieren

Warum Neujahrsvorsätze nicht funktionierenIn wenigen Tagen geht wieder ein Jahr zu Ende. Ein Jahr, in dem viel gelungen ist, viel Unverhofftes passiert ist und wir hoffentlich etwas Freude erlebt haben. Einige unserer Ziele haben wir ganz sicher nicht erreicht.

Genau diese nicht erreichten Ziele fallen uns wieder ein, wenn wir an das neue Jahr denken. Zu diesem Zeitpunkt werden wir wieder ein paar Kilogramm schwerer sein. Kein Wunder nach der Völlerei zu den Feiertagen und den Wochen davor! Wir werden wieder einsehen, dass wir gesünder leben müssen. Also weniger essen! Da das alleine nicht ausreichen wird, um das Übergewicht zu verlieren (der nächste Sommer kommt bestimmt), sollten wir auch noch Sport betreiben. Am besten mehrmals die Woche. Und natürlich endlich zu rauchen aufhören und weniger Alkohol, dafür mehr Wasser trinken.

So oder so ähnlich kommen Neujahrsvorsätze zustande.

Der Beginn des neuen Lebens, äh, neuen Jahres schaut dann vielversprechend aus: Gleich mal neue Laufschuhe gekauft (die Oma hat ja zwei Hunderter zugesteckt) und eine große Runde in Angriff genommen. Am Abend dann Salat und einen grünen Smoothie. Am nächsten Tag muss dann das Lauftraining ausfallen, da der Muskelkater enorm ist. Am dritten Tag dann eine kleinere Runde. Der Salat schmeckt schon nicht mehr so gut. Das Training an den Tagen vier, fünf und sechs fällt flach. Irgendwann muss der Rückstand aus den Weihnachtsurlaub wieder aufgearbeitet werden und die Muskeln müssen sich ja regenerieren. In der darauffolgenden Woche wird noch zwei Mal trainiert. Die gesunde Kost wird wieder durch Kantinenessen und Take-away vom Italiener ausgetauscht. In Woche drei bleiben die Laufschuhe ganz im Schrank. Die kann man ja im nächsten Urlaub wieder gebrauchen…

Ist es Ihnen auch schon mal so ergangen?

Haben Sie sich in der Vergangenheit auch immer wieder gute Vorsätze für das neue Jahr vorgenommen? Und nach wenigen Wochen waren die Neujahrsvorsätze auf irgendwann verschoben? Sie sind kein Einzelfall!

Auch mir ist es schon so ergangen. Heute weiß ich auch, warum Neujahrsvorsätze nicht funktionieren:

  1. Die guten Vorsätze beziehen sich meistens auf Gewohnheiten, die wir schon lange hegen und pflegen und die sich daher nur mit einiger Anstrengung ändern lassen. Sonst wäre für eine Veränderung gar kein guter Vorsatz notwendig, sondern wir würden es einfach tun.
  2. Gleichzeitig stecken wir uns die Ziele zu hoch. Wir wollen alles und das sofort. Am 1. Jänner mit dem Rauchen aufzuhören, 3 Mal die Woche Laufen zu gehen und die Ernährung umzustellen überfordert uns in jeder Hinsicht. Zu großer Ehrgeiz gepaart mit zu wenig Geduld führt zu Überforderung und Frust.

Aber es gibt auch ein paar Ansätze, wie wir uns und unseren inneren Schweinehund austricksen können:

  • Der Glaube versetzt Berge. Sind Sie voll und ganz vom Vorhaben und der eigenen Willenskraft überzeugt, können Sie Ihre Neujahrsvorsätze besser einhalten.
  • Nicht an die große Glocke hängen. Es ist anzuraten, Ihre Neujahrsvorsätze nicht allen zu erzählen. Sie vermeiden dadurch zu großen Druck und Kontrolle von außen und hämisches Gelächter, falls Sie Scheitern.
  • Treffen Sie Entscheidungen! Besser ist es, keine Vorsätze aufzustellen sondern stattdessen Entscheidungen zu treffen. Sie sollten Ihre Entscheidungen dann in mehrere Einzel-Ziele umwandeln, damit diese auch realistisch umsetzbar sind.
  • Bleiben sie dran! Gewohnheiten, die sich in Jahren gefestigt haben, können sich nicht in wenigen Tagen in Luft auflösen. Seien Sie geduldig und machen Sie auch bei Rückschlägen weiter!

Vergessen sie nicht, es bedarf keines neuen Jahres um Gewohnheiten zu ändern. Sie können das zu jeder Zeit!

 

Vom „richtigen“ Zeitpunkt im Leben

Vom richtigen ZeitpunktWir stehen tagtäglich vor neuen Entscheidungen in unserem Leben. Manche von ihnen sind leicht zu treffen, manche von ihnen kosten viel Mut und Kraft. Viele Entscheidungen schieben wir hinaus und warten auf den „richtigen“ Zeitpunkt.

Wann ist der „richtige“ Zeitpunkt da? Dann, wenn unser Konto satt im Plus ist oder wenn wir wieder in die Hose von vor 5 Jahren passen? Kennen Sie auch die innere Stimme, die sagt: „Jetzt nicht, weil …“? Die Gründe gegen das „Jetzt“ sind endlos: Es geht jetzt nicht, weil das Kind krank ist, man Stress mit dem Lebenspartner hat oder im Job so viel zu tun ist. Wir sind nicht wählerisch im Erfinden von immer neuen Gründen, warum gerade jetzt nicht der „richtige“ Zeitpunkt ist um die Veränderung zu beginnen.

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Neue Formen der Arbeit: Wie sich unsere Arbeit verändert

 

Unsere Arbeit hat sich in den letzten 20 Jahren verändert. Nicht nur, was wir tun und wie wir es tun, sondern auch in welchem Rahmen wir es tun. Klingelte Mitte der 1990er-Jahre noch pausenlos das Telefon und wir harrten ungeduldig dem Rückruf, beantworten wir zwischen heute Nachrichten und Abendspielfilm noch schnell die E-Mails. „Arbeiten, wann und wie man möchte“, so das Grundkonzept der Flexibilisierung. Doch im Umkehrschluss heißt das auch Arbeiten ohne Dienstschluss und wenige längere Entspannungsphasen.

Wenn es im Büro zu laut wird, ziehen wir uns in unser Eigenheim zurück und schreiben den Bericht eben am Küchentisch. Wir arbeiten eigenverantwortlich, verzichten für freie Zeiteinteilung auf Überstunden und Zeitausgleich. Die Flexibilisierung wird aber auch in Zukunft weitergehen: Job-Sharing, Job-Hopping oder Mitarbeiter-Sharing sind nur einige Stichworte dafür.

Ich möchte nun erklären, welche neue Formen der Arbeit auf uns in Zukunft zukommen werden:

Job-Sharing. Zwei oder mehr MitarbeiterInnen teilen sich einen Arbeitsplatz, damit diese ihn gemeinschaftlich ausführen. Dies bedingt die Kombination von zwei oder mehr Teilzeit-Jobs zu einem Vollzeit-Job.

Employee-Sharing oder Mitarbeiter-Sharing. Eine Mitarbeiterin oder ein Mitarbeiter wird von einer Gruppe von Arbeitgebern gemeinschaftlich eingestellt um den Personalbedarf von verschiedenen Unternehmen zu decken. Ziel ist es, eine dauerhafte Vollzeit-Anstellung zu begründen. In Österreich nennt sich das Mitarbeiter-Sharing Arbeitgeberzusammenschluss (AGZ).

Interim management oder Management auf Zeit. Hoch qualifizierte Arbeitskräfte werden zeitlich begrenzt für eine bestimmte Aufgabe oder ein bestimmtes Projekt eingestellt, um externe Kapazitäten und Fähigkeiten in das Unternehmen zu bringen.

ICT-based mobile work oder mobiles Arbeiten. Dies ist einer Weiterentwicklung der bereits etablierten Teleabeit. Aufgrund der neuen Kommunikationstechnologien können die MitarbeiterInnen von jedem Ort und zu jeder Zeit arbeiten.

Casual Work oder Arbeiten per Rufbereitschaft. Ein Arbeitgeber ist nicht verpflichtet, der/dem ArbeitnehmerIn Arbeit bereitzustellen. Die ArbeitnehmerInnen werden nach Bedarf zugezogen. Die MitarbeiterInnen erhalten zwar einen permanenten Arbeitsvertrag, wer aber nicht arbeitet, bekommt trotz des Vertrags kein Geld und ist auch nicht sozialversichert. Diese Form des Arbeitens ist bereits in Irland, Großbritannien und Italien im Vormarsch.

Co-Working. Alternative Kooperationsmethoden von Selbstständigen und kleinen Unternehmen, wo Netzwerke und Infrastruktur geteilt und gemeinsam genutzt werden um Kapazitätseinschränkungen und berufliche Isolation zu überwinden. Beschränkt vor allem auf den Kreativbereich.

In Mitteleuropa noch recht unbekannte Formen der Arbeitsflexibilisierung sind.

Voucher-based work oder Dienstleistung-Scheck. Als Gegenleistung für geleistete Arbeit werden Gutscheine für Dienstleistungen ausgegeben und decken sowohl Bezahlung als auch Sozialversicherungsbeiträge ab. In Österreich gilt dies für geringfügige, befristete Arbeitsverhältnisse in privaten Haushalten.

Portfolio work. Selbständige arbeiten für eine große Anzahl an KundInnen und wickeln für jeden von ihnen nur kleine Aufträge ab.

Crowd employment. Auf einer Online-Plattform (wie freelancer.com oder elance.com) finden AuftraggeberInnen und AnbieterInnen zueinander. Sehr oft wird ein Projekt zwischen vielen „virtuellen“ AuftragnehmerInnen aufgeteilt.

Nicht alle dieser neuen Arbeitsmodelle bringen neben den offensichtlichen Vorteilen für Unternehmen auch vorteilhafte Arbeitsbedingungen für MitarbeiterInnen: Nur Mitarbeiter-Sharing, Job-Sharing und Interim Management vereinen Flexibilisierung mit einem guten Maß an Arbeitsplatzsicherheit. Mobiles Arbeiten bietet auf der einen Seite Flexibilität, Autonomie und Eigenverantwortung, beinhaltet auf der anderen Seite aber auch die Gefahr von extensiven Arbeitszeiten und Stressbelastung durch das Verschwimmen von Berufs- und Privatleben.

Für Selbständige und Kleinunternehmer bereichern die Arbeitsformen Co-Working, Portfolio work und Crowd employment den Arbeitsalltag durch Abwechslung.

Dienstleistungs-Schecks bedingen Arbeitsplatzunsicherheit, soziale und berufliche Isolation und eingeschränkte Zugänge zu Weiterbildung und Aufstiegschancen. Casual work ist durch geringes Einkommen, Arbeitsplatzunsicherheit und schlechte soziale Absicherung charakterisiert.

Studie:

Die European Foundation for the Improvement of Living and Working Conditions/Eurofound hat kürzlich eine Studie über „Neue Formen von Beschäftigung“ veröffentlicht. Verglichen wurden die EU-Mitgliedsstaaten und Norwegen. Im Fokus standen dabei Arbeitsmodelle, die seit dem Jahr 2000 auftauchen oder sich seither verstärken.

 

Von „lieben“ Gewohnheiten und Belohnung

Unser Wohlbefinden steuert, ob wir uns verändern oder nicht. Das Verändern von Gewohnheiten mobilisiert immer Stress, Verunsicherung und Ängste. Das Festhalten an Gewohnheiten gibt uns Sicherheit und ein „gutes Gefühl“. Es trägt also eine starke Belohnung in sich. Wollen wir diese Hürde überspringen, muss die Aussicht auf Belohnung immer wesentlich stärker sein als es das Festhalten am Gewohnten verspricht. Deshalb spricht man von den „lieben Gewohnheiten“.

Der Hirnforscher und Professor für Verhaltenspsychologie an der Universität Bremen Gerhard Roth meint, „Belohnung und Aussicht auf Belohnung sind die wirksamsten Faktoren für eine Verhaltensänderung.“

Die Art der Belohnung muss an die Werte des Menschen angepasst sein. Was für den einen eine Entschädigung darstellt, ist es für den anderen noch lange nicht.

Eine Belohnung muss zeitnah auf die Verhaltensänderung folgen, um verstärkend zu wirken. Liegt die Leistung, für die belohnt wird, schon lange zurück, so wird die Belohnung kaum mehr als solche empfunden. Ebenso darf eine Anerkennung nicht zu weit in der Zukunft liegen, sonst wird sie motivational unwirksam.

Materielle Entschädigungen wie Geld verlieren ihre Wirkung bei jeder Wiederholung. Deshalb muss sie ständig gesteigert werden. Auch soziale Belohnungen wie Lob, Anerkennung, Titel lassen in ihrer Wirkung langsamer, jedoch auch stetig nach. Man muss deshalb die Art der sozialen Belohnung ständig variieren.

Die einzige Belohnung, die nicht in Sättigung geht, ist die intrinsische Belohnung, d.h. die Freude am Gelingen, die Selbstbestätigung. Sie kann sogar mit Wiederholung ansteigen.

Welche Karotte müssen wir uns nun vor die Nase halten, um die „lieben“ Gewohnheiten loszuwerden?

  • Belohnung nutzt sich schnell ab.
  • Belohnungen müssen einen gewissen Grad von Ungewissheit haben, um als solche zu wirken.
  • Belohnungen müssen dem Aufwand angemessen sein und als gerecht empfunden werden.
  • Gewohnheiten tragen ihre Belohnung in sich. Das Gehirn trachtet immer danach, Dinge zu automatisieren, Gewohnheiten auszubilden, und es besetzt dies mit deutlichen Lustgefühlen.
  • Eine Belohnung muss sich verselbständigen. Jede Belohnungsstrategie muss danach trachten, sich selbst überflüssig zu machen.

Literaturtipp und Quelle:

Roth, Gerhard: Persönlichkeit, Entscheidung und Verhalten – Warum es so schwierig ist, sich und andere zu verändern. 8. Auflage, März 2013.