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Fauxductivity: Wenn Arbeit zur Show wird / Foto von Yan Krukau

Sie kennen sie doch auch – jene Kolleginnen und Kollegen, die egal zu welcher Tageszeit gestresst im Büro herumrennen und klagen, wie viel sie zu tun haben. Und das egal, ob es mitten im Sommer ist oder in der stressigsten Zeit den Jahres vor Weihnachten. Diese Kolleg:innen scheinen ständig beschäftigt, ohne dass deren Aufgabenliste merklich kürzer wird. Sie sitzen daneben und beobachten, und fragen sich, ob Sie selbst alles richtig machen, denn Sie sind gut ausgelastet, aber stehen nicht am Rande der Verzweiflung.

Ich habe mich selbst in den Jahren meines Angestellten-Lebens oft gefragt, warum manche Kolleg:innen immer hektisch herumlaufen und scheinbar nichts auf die Reihe bringen, während man selbst fast schon gemütlich eine nach der anderen Aufgabe abarbeitet. Ich habe es damals auf schlechte Zeiteinteilung und Aufschieberitis (Prokrastination) geschoben. Aber neuerdings hat dieses Phänomen auch einen Namen: Fauxductivity.

 

Was ist Fauxductivity?

Der Begriff setzt sich aus „faux“ (französisch für „unecht“) und „Produktivität“ zusammen. Fauxductivity beschreibt eine Arbeitsrealität, in der geschäftiges Nichtstun wichtiger erscheint als wirkungsvolle Ergebnisse. Betroffene beschäftigen sich mit To-Do-Listen, Kalenderpflege und unzähligen Meetings – am Ende fehlt jedoch der konkrete Output. Studien zeigen, dass viele Menschen subjektiv mehr arbeiten als je zuvor, trotzdem kommen sie nicht wirklich voran.

Das Phänomen ist mittlerweile weit verbreitet: Laut einer aktuellen, repräsentativen Befragung der Jobplattform Monster gaben ein Viertel der Befragten an, regelmäßig Kolleg:innen zu erleben, die scheinbar stark ausgelastet sind – jedoch wenig Substanzielles leisten. In Bezug auf Geschlecht oder Alter zeigen sich allerdings kaum Unterschiede in der Wahrnehmung von Fauxductivity. Männer wie Frauen beobachten zu jeweils 28 Prozent, dass Kolleg:innen Geschäftigkeit vortäuschen.

 

Aktivität mit Leistung verwechseln

Besonders oft tritt Fauxductivity in Organisationen auf, die Aktivität mit Leistung verwechseln. Sichtbarkeit im Unternehmen wird so zur neuen Währung – auch wenn echte Ergebnisse ausbleiben. Laut Studien verbringen Beschäftigte rund 41% ihrer Arbeitszeit mit Tätigkeiten, die keinen echten Wert schaffen, während 68% sagen, ihnen fehle die Zeit für wirklich wichtige Aufgaben.

 

So erkennen Sie Fauxductivity bei Kolleg:innen und bei sich selbst

Typische Anzeichen dafür, dass Ihre Mitmenschen nur scheinbar fleißig sind, lassen sich leicht beobachten:

  • Viele Meetings, die ins Leere laufen,
  • Perfektionismus bei unwichtigen Details,
  • ständiges Multitasking ohne Abschluss einer Aufgabe,
  • hektisches Hin- und Herlaufen oder
  • exzessives Ausprobieren neuer Tools, ohne dass dies die Arbeit wirklich voranbringt.

Wenn Sie merken, dass Sie selbst ständig beschäftigt sind, aber wenig Greifbares erledigen, lohnt sich ein ehrlicher Selbstcheck:

Fragen Sie sich:

  • Welcher Ihrer Schritte schafft tatsächlich Wert für Ihr Team oder Ihr Unternehmen?

Oft steckt hinter dem Muster keine Faulheit, sondern ungünstige Rahmenbedingungen wie Überlastung, fehlendes Feedback oder ein Zuviel an Ablenkung.

Suchen Sie das Gespräch mit Ihrer Führungskraft. Eine klare Tagesplanung, das Setzen von Prioritäten und Abgrenzung helfen, den Fokus zurückzugewinnen.

Was können Sie konkret gegen Fauxductivity tun?

Der Schlüssel liegt im Wechsel der Perspektive:

  • Richten Sie Ihren Blick auf Ergebnisse statt auf Aufwand.
  • Planen Sie Ihren Tag so, dass Sie Zeit für konzentriertes Arbeiten und Kommunikationspausen haben, am besten sichtbar für Ihr Team.
  • Geben Sie sich bewusst Raum für Feedback und Reflexion, und fordern Sie diese Offenheit auch von Ihrer Führungskraft ein.
  • Haben Sie Mut, unwichtige Aufgaben loszulassen und sich auf das Wesentliche zu konzentrieren.
  • Wenn offene Gespräche nichts ändern und Ihr Arbeitsumfeld keine Entwicklung zulässt, darf auch ein Jobwechsel in Erwägung gezogen werden.

 

Weiterführende Links:

Haben Sie Fauxductivity bei sich erkannt?
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