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Wie man einen unerträglichen Chef erträgtHaben Sie sich noch nie über Ihren Chef oder Ihre Chefin geärgert und im Privaten Ihren Frust freien Lauf gelassen? Hand auf Herz. Wir alle haben das schon getan. Sie und ich. Doch abgesehen von den alltäglichen unterschiedlichen Sichtweisen und Perspektiven sind die meisten Vorgesetzten durchaus erträglich und agieren human.

Es gibt sie aber, die unerträglichen Chefs und Chefinnen, die demütigen, abwerten und einschüchtern. Was tun, wenn man das bittere Los eines / einer solchen gezogen hat? Was meinen Sie?

Will oder muss man den Job behalten, heißt es durchhalten: zu häufigen Kontakt meiden, dulden, leiden. Bei KollegInnen ausheulen und sich schlecht fühlen. Bringt man den Mut auf, sucht man sich eine andere Arbeit und hofft auf die Gewogenheit des Schicksals. Das kann aber dauern und birgt keine Garantie.

 

Ist Widerstand angebracht?

Haben Sie sich schon einmal überlegt, im Sinne der Selbstverteidigung Widerstand zu leisten? Haben Sie schon einmal Konter gegeben anstatt still zu leiden?

Der positive Effekt: Sie fühlen sich nicht mehr als Opfer, dass nur dasitzt und die Missachtung über sich ergehen lassen muss. Auch könnte sein, dass Sie dadurch Hilfe und Respekt von Seiten Ihrer KollegInnen erlangen. Dies wiederum steigert Ihr Selbstwertgefühl und auch die Verbundenheit mit dem Arbeitgeber und der Tätigkeit.

Das Risiko: Sie könnten dadurch die Situation verschlechtern – falls sie überhaupt noch schlechter werden kann.

Aber passt Rache in den modernen Arbeitsalltag? Verstehen Sie mich nicht falsch: Wir sprechen hier von moderaten Aktionen, die Ihnen helfen können, die Situation leichter zu ertragen.

Wie schaut diese Selbstverteidigung nun aus?

  • Ignorieren Sie Ihren Boss.
  • Hören Sie nicht zu.
  • Benehmen Sie sich als ob Sie nicht verstehen, worüber Ihr Chef / Ihre Chefin spricht.
  • Fahren Sie Ihr Engagement gezielt zurück.

Studie ergab erstaunliche Ergebnisse

In einer im Januar 2015 erschienen Studie der Ohio State University wurden StudienteilnehmerInnen innerhalb von sieben Monate befragt, ob und wie oft sich ihre Vorgesetzten über ihre Gedanken und Gefühle lustig machten oder sie anschrieen. Zudem wurde vermerkt, ob sie sich diesen Feindseligkeiten durch z.B. Ignorieren entgegensetzten. Sieben Monate später wurde die TeilnehmerInnen zu ihrer Zufriedenheit in der Arbeit, zu ihrer Loyalität mit dem Arbeitgeber und zu psychischer Belastung und negativen Gefühlen befragt.

Jene ArbeitnehmerInnen, die sich die Feindseligkeiten nicht gefallen ließen, empfanden keine negativen Konsequenzen wie psychische Belastung oder geringe Zufriedenheit mit dem Job.

Allerdings gab diese Studie keine Antworten auf die Fragen, ob der passive Widerstand den ArbeitnehmerInnen beruflich schadete. In einer Folgestudie wurde diese Frage an das schon durchgeführte Studiendesign angehängt. Das Ergebnis war erstaunlich: Die StudienteilnehmerInnen glaubten nicht daran, dass ihr Verhalten ihrer Karriere schade.

Passiver Widerstand heißt allerdings nicht, dass sich die Situation, in der Sie sich befinden auch andauernd verändern wird. Reagiert Ihr Chef oder Ihre Chefin nicht auf Ihre Verhaltensänderung werden Sie wohl auch weiterhin moderaten Widerstand leisten oder sich beruflich verändern müssen.

Das alles bedeutet aber noch lange nicht, dass ArbeitnehmerInnen automatisch an ihren unerträglichen Chefs und Chefinnen Vergeltung üben sollen. Die eigentliche Antwort liegt darin, wie Organisationen und Unternehmen ihre für MitarbeiterInnen unerträglichen Führungskräfte verändern oder los werden können. Aber das ist eine andere Geschichte…

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