Der Begriff „Work-Life-Balance“ ist im Mainstream angekommen. Google listet über 751 Millionen Einträge zum Begriff auf. Doch was beschreibt dieser Begriff eigentlich? Die direkte Übersetzung bedeutet Gleichgewicht von Arbeit und Leben. Wikipedia erklärt „Work-Life-Balance“ damit, Beruf und Privatleben in Gleichgewicht zu bringen. Demnach ist Arbeit nicht unser Leben und das Leben findet nur außerhalb der Arbeit statt. Das ist für mich sehr befremdlich. Signalisiert er doch, dass Arbeit ein notwendiges Übel ist, dass uns auszehrt und behindert, ein glückliches Leben zu führen. Das heißt, polemisch gesprochen, wir verbringen durchschnittlich fast ein Viertel der Woche nicht mit Leben.

Nein, ich bin ganz und gar nicht einverstanden mit diesem Begriff. Erstrebenswert wäre hingegen, ein erfülltes und ausgeglichenes Leben zu führen, ohne darauf zu achten, was man gerade tut. Um eine wirkliche Lebensbalance herzustellen braucht es aber mehr, als nur die Komponenten Arbeit und Freizeit in Balance zu bringen.

Was benötigt man um ein Leben in Balance zu führen?

Lebensbalance entsteht dann, wenn vier Säulen unser Leben tragen wie das Dach eines Gebäudes. Dafür müssen die Säulen etwa gleich hoch sein und ständig gewartet und gepflegt werden.

 

Welche Säulen der Lebensbalance gibt es?

1. Säule „Arbeit und Leistung“

Dieser Säule trägt die Bereiche Arbeit, Beschäftigung, Weiterbildung sowie Finanzen. 

Fragen, die sich in diesem Bereich stellen: Welchen Stellenwert haben Arbeit und Leistung in meinem Leben? Was ist Erfolg für mich ? Was benötige ich in diesem Bereich um ein Leben in Balance führen zu können? 

 

2. Säule „Gesundheit“

Diese Säule trägt alles, was uns physisch und psychisch gesund hält: Sport und Bewegung, gesunde Ernährung, Erholung und medizinische Vorsorge.

Fragen sind in diesem Bereich: Was brauche ich um gesund zu bleiben und mich fit zu fühlen? Wieviel Zeit plane ich dafür ein? Welche Ressourcen stehen mit zur Verfügung?

 

3. Säule „Soziale Kontakte“

Dieser Säule trägt die Bereiche Familie, FreundInnen sowie ehrenamtliches Engagement.

Fragen, die sich hier stellen, sind: Wie gestalte ich meine soziale Kontakte? Habe ich ein ausgeglichenes Verhältnis zu meiner Familie? Bereichert ehrenamtliche Beschäftigung mein Leben?

 

4. Säule „Werte und Kultur“

Diese Säule umfasst die eigenen Werte, den eigenen Sinn im Leben, die Persönlichkeit, aber auch Hobbys.

Die Fragen sind hier: Was sind meine Werte und spiegeln sie sich in meinem Leben wider? Sind die Werte stimmig oder stehen sie im Widerspruch zu meiner Arbeit? Woher kommen diese Werte? Verändern sie sich? Habe ich meinen Sinn im Leben gefunden? Was tue ich für meine persönliche Weiterentwicklung?

 

Was heißt nun Balance?

Ein häufiges Missverständnis ist, die vier Lebensbereiche zeitlich gleich in unserem Leben zu berücksichtigen. Das würde bedeuten, dass wir täglich 4 Stunden arbeiten, uns 4 Stunden um unsere Gesundheit kümmern, 4 Stunden mit FreundInnen und Familie verbringen und 4 Stunden in Sinn und Kultur investieren.
 
Obwohl manches durchaus sinnvoll wäre, wie 4 Stunden pro Tag in Kultur und Hobbys zu investieren, können wir wohl kaum mit 4 Stunden Arbeit unseren Lebensunterhalt verdienen oder 4 Stunden täglich ins Fitnessstudio gehen.
 
Worauf es bei der Lebensbalance ankommt, ist nicht die qualitative, sondern die verhältnismäßige Ausgeglichenheit der einzelnen Bereiche.
 
Es kann durchaus genügen, täglich eine halbe Stunde zu laufen oder einmal pro Woche ins Kulturleben zu investieren, um Lebensbalance herzustellen.
 
Wichtig ist auf jeden Fall, regelmäßig und kontinuierlich alle 4 Lebensbereiche zu bedienen. Haben ein oder zwei Lebensbereiche dauerhaft die Oberhand, gerät das Leben außer Balance und die Lebensqualität geht verloren. Körperliche und psychische Beschwerden stellen sich ein.
 
 

Übung für Ihre Lebensbalance

  1. Nehmen Sie einmal an, alle beschriebenen Bereiche betragen gemeinsam 100 Prozent.
  2. Denken Sie nun an Ihre aktuelle Lebenssituation.
  3. Wieviel Ihrer aktiven Zeit widmen Sie wöchentlich jedem der 4 Lebensbereiche?
  4. Stellen Sie sich folgende Fragen: Sind alle Bereich in Ihrer Woche berücksichtigt? Gibt es ein Ungleichgewicht zwischen manchen Bereichen? Dominieren ein oder zwei Bereiche? Ist ein Bereich unterrepräsentiert?

 

Möchten Sie mit diesem Modell der Lebensbalance weiterarbeiten, melden Sie sich doch bei mir!

 

(Dieses Modell der Lebensbalance wurde vom iranisch-deutschen Neurologen und Psychiater Nossrat Peseschkian entwickelt. Bislang wurde sein Modell international immer wieder aufgegriffen.)

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