Von „lieben“ Gewohnheiten und Belohnung

Unser Wohlbefinden steuert, ob wir uns verändern oder nicht. Das Verändern von Gewohnheiten mobilisiert immer Stress, Verunsicherung und Ängste. Das Festhalten an Gewohnheiten gibt uns Sicherheit und ein „gutes Gefühl“. Es trägt also eine starke Belohnung in sich. Wollen wir diese Hürde überspringen, muss die Aussicht auf Belohnung immer wesentlich stärker sein als es das Festhalten am Gewohnten verspricht. Deshalb spricht man von den „lieben Gewohnheiten“.

Der Hirnforscher und Professor für Verhaltenspsychologie an der Universität Bremen Gerhard Roth meint, „Belohnung und Aussicht auf Belohnung sind die wirksamsten Faktoren für eine Verhaltensänderung.“

Die Art der Belohnung muss an die Werte des Menschen angepasst sein. Was für den einen eine Entschädigung darstellt, ist es für den anderen noch lange nicht.

Eine Belohnung muss zeitnah auf die Verhaltensänderung folgen, um verstärkend zu wirken. Liegt die Leistung, für die belohnt wird, schon lange zurück, so wird die Belohnung kaum mehr als solche empfunden. Ebenso darf eine Anerkennung nicht zu weit in der Zukunft liegen, sonst wird sie motivational unwirksam.

Materielle Entschädigungen wie Geld verlieren ihre Wirkung bei jeder Wiederholung. Deshalb muss sie ständig gesteigert werden. Auch soziale Belohnungen wie Lob, Anerkennung, Titel lassen in ihrer Wirkung langsamer, jedoch auch stetig nach. Man muss deshalb die Art der sozialen Belohnung ständig variieren.

Die einzige Belohnung, die nicht in Sättigung geht, ist die intrinsische Belohnung, d.h. die Freude am Gelingen, die Selbstbestätigung. Sie kann sogar mit Wiederholung ansteigen.

Welche Karotte müssen wir uns nun vor die Nase halten, um die „lieben“ Gewohnheiten loszuwerden?

  • Belohnung nutzt sich schnell ab.
  • Belohnungen müssen einen gewissen Grad von Ungewissheit haben, um als solche zu wirken.
  • Belohnungen müssen dem Aufwand angemessen sein und als gerecht empfunden werden.
  • Gewohnheiten tragen ihre Belohnung in sich. Das Gehirn trachtet immer danach, Dinge zu automatisieren, Gewohnheiten auszubilden, und es besetzt dies mit deutlichen Lustgefühlen.
  • Eine Belohnung muss sich verselbständigen. Jede Belohnungsstrategie muss danach trachten, sich selbst überflüssig zu machen.

Literaturtipp und Quelle:

Roth, Gerhard: Persönlichkeit, Entscheidung und Verhalten – Warum es so schwierig ist, sich und andere zu verändern. 8. Auflage, März 2013.