Psychische Gesundheit: Wie geht es Ihnen?
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Gut, mittelmäßig oder gestresst? Oder wie man in Österreich so schön sagt: Geht schon! (Aber bitte reden wir nicht länger darüber…)
Viele Menschen in meiner Umgebung geht es im Moment „nicht so gut“. Sie fühlen sich erschöpft und mutlos. Viele leiden an der unsicheren geopolitischen Lage und machen sich Sorgen, ob wir weiterhin in Frieden leben dürfen. Andere machen sich aufgrund der schlechten Wirtschaftslage Gedanken über ihre finanzielle Zukunft und ihren Arbeitsplatz. Weitere haben den langen Winter satt und sehnen sich nach mehr Sonne und Wärme.
Gefühle und Stimmungen sind Momentaufnahmen.
Druck, Stress oder Konflikte in der Arbeit und der „Mental Load“ der ständig wiederkehrenden Aufgaben wie Hausarbeit, Einkaufen, Fahrdienste für die Kinder oder Ansprüche von Familienmitgliedern können einen schon mal stark zusetzen. An manchen Tagen scheint der Berg, vor dem man steht, überwindbar hoch und an anderen Tagen genießt man die Aussicht.
Mental Load: Die unsichtbare Last im Kopf
Mental Load bezeichnet die unsichtbare, oft unbewusste Denk- und Organisationsarbeit, die mit der Verantwortung für Alltag, Familie und Beruf einhergeht. Es geht nicht nur darum, Aufgaben zu erledigen, sondern sie überhaupt im Blick zu behalten – z. B. an den Einkauf zu denken, Termine zu koordinieren oder den Haushalt zu managen.
Diese mentale Belastung entsteht häufig durch gesellschaftliche Rollenerwartungen und ungleiche Verteilung von Verantwortung. Besonders betroffen sind oft Frauen, die neben ihrem Job auch die meisten unsichtbaren Planungsaufgaben übernehmen. Langfristig kann Mental Load zu Stress, Erschöpfung und Überforderung führen. Deshalb ist es wichtig, Verantwortung bewusst zu teilen und Strategien für Entlastung zu finden.
Psychische Gesundheit: Doch warum geht es manchmal besser und manchmal schlechter?
Psychische Gesundheit ist kein linearer Prozess, sondern ein ständiges Auf und Ab. Sie ist ein dynamisches System, das von vielen Faktoren beeinflusst wird. Unsere Stimmung, unser Wohlbefinden und unsere mentale Stärke schwanken aus verschiedenen Gründen:
Biologische Faktoren: Hormonelle Schwankungen, Schlafqualität und körperliche Gesundheit haben direkten Einfluss auf unsere psychische Verfassung. Ein unausgeglichener Hormonhaushalt oder Schlafmangel können uns anfälliger für Stress machen.
Psychische Muster und Gedanken: Unsere Wahrnehmung der Realität und unsere Denkmuster spielen eine große Rolle. Negative Selbstgespräche oder Katastrophendenken verstärken emotionale Tiefs, während eine optimistische Haltung die Widerstandsfähigkeit fördert.
Externe Einflüsse und Umweltfaktoren: Soziale Interaktionen, beruflicher Stress, gesellschaftliche Ereignisse oder persönliche Herausforderungen beeinflussen unsere Stimmung. Ein Konflikt mit einer geliebten Person oder hoher Leistungsdruck kann uns belasten, während positive Erlebnisse uns stärken.
Erlebte Veränderungen und persönliche Entwicklung: Veränderungen, selbst wenn sie positiv sind, fordern unsere Anpassungsfähigkeit. Manche Tage fühlen sich leichter an, weil wir uns in stabilen Routinen bewegen, während andere schwieriger erscheinen, wenn wir mit Unsicherheiten konfrontiert sind.
Unbewusste Prozesse und emotionale Regulation: Unser Gehirn verarbeitet ständig Informationen und Emotionen, oft unbewusst. Manchmal erleben wir eine plötzliche Stimmungsverschlechterung, ohne genau zu wissen, warum – weil unser Unterbewusstsein auf vergangene Erfahrungen oder ungelöste Konflikte reagiert.
Entscheidend ist, wie wir damit umgehen: Akzeptanz, Selbstfürsorge, realistische Erwartungen und resilienzfördernde Strategien helfen uns, auch in schwierigen Phasen stabil zu bleiben.
Was kann ich tun, dass es mir besser geht?
Psychische Gesundheit ist ein Zusammenspiel aus mentaler Stabilität, einem sicheren Umfeld und die körperliche Gesundheit:
Gefördert wird psychische Gesundheit beispielsweise durch ein starkes Selbstvertrauen oder die Fähigkeit mit erlebten Ängsten und Sorgen umzugehen. Wir können lernen, unangenehme Gefühle besser zu bewältigen. Das Arbeitsumfeld, der Zusammenhalt in der Familie und ein stabiler Freundeskreis beeinflussen ebenfalls die Lebenszufriedenheit. Der körperliche Gesundheitszustand trägt zusätzlich zu meinem Wohlbefinden bei. Körperliche Betätigung und eine ausgewogene Ernährung helfen uns dabei fit zu bleiben und so besser mit Belastungen umgehen zu können.
Was kann ich selbst tun?
Regelmäßige körperliche Aktivität ist der Ausgleich zu täglichem Stress und Schnelllebigkeit. Für viele ist Sport ein wertvoller Ausgleich, andere Menschen entspannen sich besser bei Bewegung ohne sportlichen Anspruch, etwa Spazierengehen. Jede körperliche Bewegung zählt!
Dauernder Alltagsstress führt zu körperlichen und psychischen Beschwerden. Zeit nehmen zur Entspannung wirkt diesen Problemen entgegen. Legen Sie im Rahmen der Möglichkeiten regelmäßige Pausen bei der Arbeit ein. Trennen Sie Arbeit und Freizeit. Arbeiten Sie möglichst nicht nach Feierabend oder am Wochenende und nehmen Sie keine Arbeit mit in den Urlaub. Körper und Geist brauchen Erholung. Wenn Sie sich oft gestresst fühlen – beruflich und/oder privat –, beschäftigen Sie sich mit Stressmanagement. Manchmal steht die Überlegung an, ob Ihr Arbeitsplatz, Ihre Firma oder Ihr Beruf noch zu Ihnen passt. Versuchen Sie es zusätzlich mit Entspannungsübungen. In diesem Artikel finden Sie weiter unten ausgewählte Entspannungsübungen!
Es gibt Menschen, bei denen eine künstlerisch-kreative Beschäftigung das psychische Wohlbefinden fördert, etwa Schreiben, Malen oder Zeichnen. Viele Dinge, die uns beschäftigen, sind schwer in Worte zu fassen. Versuchen Sie diese Dinge kreativ sichtbar zu machen.
Leben Sie Ihre sozialen Beziehungen bewusst aus und nehmen Sie sich Zeit dafür. Wenn Sie wenig Kontakte haben, suchen Sie gezielt Gemeinschaftsangebote (Vereine, Kirchengemeinden, Nachbarschaftstreffs). Einsamkeit ist ein Gesundheitsrisiko. Ein soziales Netz schafft Zugehörigkeit, Bestätigung so- wie Geborgenheit.
Ein Ehrenamt kann glücklich machen. Wenn Sie sich beteiligen, nutzen Sie die Möglichkeit, Ihre Wünsche, Interessen, Ängste oder Hoffnungen dort einzubringen, wo sie für Sie bedeutend ist. Überlegen Sie, wo Sie sich gerne einbringen möchten. Das fördert die Selbstwertschätzung – und sich selbst als wertvoll zu empfinden, stärkt die Psyche.
Es gibt Situationen im Leben, mit denen Sie eventuell nicht alleine fertig werden. Es gibt Menschen, die helfen wollen und denen Sie vertrauen. Finde ich Hilfe, wenn ich diese brauche und bin ich auch bereit, sie anzunehmen?
Ausgewählte Entspannungsübungen
Die Entspannungsfaust (Progressive Muskelentspannung)
- Setzen Sie sich bequem auf einen Stuhl. Lehnen Sie Ihren Rücken an. Stellen Sie beide Füße fest auf den Boden.
- Schließen Sie Ihre Augen.
- Legen Sie Ihre Hände locker auf die Oberschenkel.
- Atmen Sie ruhig ein und aus und beobachten Sie, wie sich Ihre Bauchdecke beim Einatmen hebt und beim Ausatmen wieder senkt.
- Ballen Sie eine Hand zur Faust, bis Sie die Muskeln deutlich spüren. Atmen Sie auch beim Anspannen der Muskeln ruhig weiter, verkrampfen Sie nicht.
- Halten Sie die Anspannung für fünf bis zehn Sekunden. Falls Sie möchten, ertasten Sie mit der anderen Hand die gespannten Muskeln der Faust und des Unterarms.
- Lösen Sie mit der Ausatmung die Spannung. Öffnen Sie die Faust. Lassen Sie die Hand und den Arm etwa 30 Sekunden ruhig liegen.
- Achten Sie auf den Unterschied zwischen der Anspannung vorher und der jetzigen Entspannung. Bleiben Sie mit Ihrer inneren Aufmerksamkeit bei den Muskeln, die Sie gerade angespannt hatten.
- Wenden Sie sich nun der anderen Hand zu und verfahren Sie genauso.
- Bleiben Sie nach der Übung noch eine Weile in Ihrer Position. Erlauben Sie sich, der abwechselnden An- und Entspannung nachzuspüren.
Ziel: Die gezielte Anspannung und Entspannung von Muskeln hilft beim Stressabbau – sogar wenn Sie nur die Faust an- und wieder entspannen. Wenn Sie die Übung regelmäßig anwenden, Hilft es Ihnen, sich langfristig zu entspannen.
Link zu YouTube: Progressive Muskelentspannung mit der Faust von AOK
Die 4-7-8-Atemtechnik
- Setzen oder legen Sie sich ich in eine bequeme Position.
- Schließen Sie die Augen und atmen Sie einmal tief durch die Nase ein und durch den Mund aus.
- Atmen Sie durch die Nase ein und zählen Sie dabei bis 4.
- Halten Sie den Atem an und zählen Sie bis 7.
- Atmen Sie durch den Mund aus und zählen Sie dabei bis 8.
- Wiederhole diesen Zyklus viermal.
Ziel dieser Übung ist es, das parasympathische Nervensystem zu aktivieren, das für Entspannung und Erholung zuständig ist. Es kann auch den Stresshormonspiegel senken und zu einem Gefühl der Ruhe führen.
Atemübung: Es ist, was es ist
- Atmen Sie ein paar Mal ruhig ein und aus.
- Lassen Sie die Emotionen, die hochkommen, zu und beobachten Sie, was in Ihrem Körper und in Ihren Gedanken passiert.
- Wo spüren Sie das Gefühl? Wie fühlt es sich an? Welche Gedanken tauchen auf?
- Lassen Sie sich ruhig Zeit. Manchmal dauert es ein bisschen.
- Nun fokussieren Sie sich wieder auf Ihre Atmung.
- Mit der Einatmung wiederholen Sie in Gedanken mehrmals die Worte „Es ist“ und mit der Ausatmung „was es ist“.
Ziel dieser Übung ist es, die aktuelle Emotion zu akzeptieren und die Atmung bewusst zu beeinflussen. Durch die verlangsamte Atmung werden wir emotional ruhiger.